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Bewerbungstipps für Menschen ab 45

Auch wenn die Zahl der Arbeitslosen, die 50 Jahre und älter sind, deutlich geringer ist als jene Anzahl, der zwischen 15 und 49 Jahre alten Personen, so ist trotzdem der Arbeitsmarkt für ältere Bewerber nicht leicht. Wie kommt es dazu und was muss man bei der Jobsuche ab einem gewissen Alter beachten?

In Österreich gab es zum Stand 2009 etwa 51.700 Arbeitslose, die 50 Jahre und älter waren. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Jahr 2008 um 0,7% verringert. Trotzdem ist die Anzahl der Personen ohne Arbeitsstelle deutlich zu hoch. Liegt es daran, dass Unternehmen Leute ab 50 Jahre weniger gerne einstellen als frische Absolventen? Womöglich wegen der Annahme, dass ältere Menschen nicht über aktuelles Wissen verfügen? Tatsache ist, dass in den meisten Firmen Weiterbildungen angeboten werden, jedoch hauptsächlich für Personen bis 55 Jahre, dann ist das Angebot abfallend. Dass es keine passende Förderung für Arbeitende ab 65 Jahren gibt, wird stark kritisiert. Wenn das Wissen der Betroffenen veraltet bleibt und sie sich im Laufe der Zeit zu sehr spezialisieren, so ist ein Jobwechsel nicht einfach, da Ansprüche an eine neue Stelle selten erfüllt werden können.

Die Arbeitsmarktsituation für Ingenieure hingegen scheint anders zu sein. Im März 2009 waren beim AMS 935 arbeitslose AbsolventInnen einer technisch-ingenieurwissenschaftlichen Studienrichtung gemeldet. Absolventen der Ingenieurwissenschaft sind also weniger von der Arbeitslosigkeit betroffen. Das liegt vermutlich unter anderem daran, dass Ingenieurwissenschaften sich gut für den Berufseinstieg eignen. Allgemein sind die Stellenangebote für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften sehr hoch. Im Jahr 2009 waren die am stärksten nachgefragten technischen Fachrichtungen Informatik, gefolgt von Maschinenbau, Elektrotechnik und dem Bauingenieurwesen. Im Juli desselben Jahres stellten diese vier Studienrichtungen zusammen rund 59% aller Top-Job-Stellenangebote für universitäre Technikgraduierte dar. In der gegenwärtigen Arbeitsmarktnachfrage spielt der Abschlusslevel (Bakk., Dipl., Dr.) jedoch äußert selten eine Rolle.
Die Jobchancen für Ingenieure scheinen also gut gesichert zu sein. Wie kommt es dennoch, dass viele es leichter schaffen frühzeitig in Pension zu gehen als eine neue Beschäftigung zu finden?

Vorurteile gegenüber älteren Bewerbern

Geistig unflexibel, räumlich nicht mobil und teuer sind meistens die ersten Schlagworte, die allgemein gelten. Außerdem zweifeln viele Personalabteilungen technischer Berufsgebiete daran, dass Bewerber ab 50 gewissen körperlichen Forderungen nachkommen können. Einerseits ist den Bewerbern bewusst, dass sie trotz der Vorurteile zu ausreichend Leistung fähig sind, andererseits haben sie trotz allem wenige Chancen einen neuen Beruf zu ergattern, da interdisziplinäre Arbeitsweisen im Ingenieurswesen immer wichtiger werden. Maschinen und Anlagen sind in der modernen Gesellschaft von komplexer Technik geprägt. Es wird mit der aktuellsten Software und Hand in Hand mit IT-Spezialisten gearbeitet. So kommt es nicht selten vor, dass Bewerbern, die ihre Ausbildungen zu Zeiten gemacht haben als Computer noch nicht in jedem Haushalt Gang und Gebe waren, ausreichendes Fachwissen nicht zugetraut wird. Auch die Bereiche Vertrieb, Einkauf, Fremdsprachenwissen oder Wissen über neue Werkstoffe und technische Möglichkeiten gelten als Gebiete, in denen sich Personen ab 50 nicht auskennen.

Bewerbungsfrust sollte nicht sichtbar sein

Ältere Arbeiter haben zwar einen starken Arbeitswillen, gleichzeitig fühlen sie sich jedoch in ihrem Betrieb oft nicht hinreichend anerkannt und respektiert. Auf Grund der Wirtschaftslage bleiben die meisten jedoch an ihrer Arbeitsstelle bis sie ihrem Berufsleben ein Ende setzten können. Dies geschieht, weil nach langjähriger Berufstätigkeit die Anstrengungen, sich neuen Herausforderungen zu stellen und eine neue Bewerbung aufzugeben, groß sind. Man hat sich in seine Rolle eingefahren. Sich einer neuen Firma zu präsentieren bzw. sich richtig zu „verkaufen“ fällt schwer. Ebenso problematisch ist es für Ingenieure, die bereits ohne Dienstverhältnis sind, da sie ihr Gefühl überwinden müssen, nicht mehr gebraucht zu werden. Dieser Frust ist allzu häufig in den Unterlagen erkennbar.

Vorteile akzentuieren

Frustrierte Bewerber werden jedoch nicht eingestellt. So liegt es daran, sich zu motivieren und einige Aspekte beim Bewerbungsprozess nicht zu vergessen:

  • Erfahrung
    Ältere Arbeitnehmer haben schon viele Fehler gemacht und daraus gelernt. Hingegen Personen, die frisch in das Arbeitsgebiet einsteigen, haben jenen Prozess noch vor sich. Entsprechend sparen sich die Unternehmen Mühe und Geld, wenn Sie erfahrenes Personal einstellen.
  • Gelassenheit
    Auf Grund vieler Erfahrungen regen sich 50jährige nicht mehr so leicht und drastisch auf. Sie sind bei der Durchführung von Projekten deutlich ruhiger, gelassener und souveräner. Außerdem ist eine geringere Stressanfälligkeit und Besonnenheit ebenso ein wichtiges Merkmal. Es geht nicht mehr darum, sich etwas beweisen zu müssen, denn sie sind fähig zum richtigen Zeitpunkt durchsetzungsstark aufzutreten.
  • Gefestigte Verhältnisse
    Ab einem gewissen Alter ist der Mensch in seinem privaten Umfeld gefestigt. Auch wenn die räumliche Flexibilität dadurch etwas nachlässt, ist ein Vorteil klar ersichtlich: ein abbezahltes Haus und ein „eingerichtetes Leben“. So reagiert man ruhiger und souveräner auf Probleme im Büro. In dem Zusammenhang verhält man sich integer und loyal, wobei das Verhältnis zum Arbeitgeber dabei generell stärker gebunden ist.
  • Alte Schule
    Ältere Mitarbeiter gelten als zuverlässiger, pünktlicher und haben „eine andere Erziehung genossen“ als jüngere Kollegen. Bei den meisten trifft das auch zu, wobei diese Eigenschaften am Weg sind wieder morden zu werden.
  • Flexibilität
    Zwar wird es älteren Mitarbeitern selten zugetraut, jedoch sind sie durchaus geistig flexibel, lernfähig und aufnahmebereit. Am Besten sich selbst auf dem Laufenden halten und bezüglich Weiterbildungsmaßnahmen, auch innerhalb des Unternehmens, nachfragen.

Mit diesen Aspekten im Hinterkopf kann der souveräne und selbstbewusste Bewerbungsprozess beginnen. Eine Selbstanalyse sollte am Anfang jedoch nicht fehlen. Eine Liste mit den eigenen Stärken und Schwächen kann hierbei gute Dienste leisten. Ebenso wichtig und nützlich ist eine Anmerkung der eigenen beruflichen Ziele, die Frage nach der passenden Unternehmensform, usw. Betrachten Sie ihr Ergebnis und legen Sie eine Bewerbungsstrategie fest. (Tipps zur Bewerbungsstrategie und Selbsteinschätzung sind auf der StepStone-Homepage zu finden.)

Zum Ziel gelangt man über viele Wege

Ausgeschriebene Anzeigen alleine reichen oftmals nicht aus, um eine passende Stelle zu finden. Der Besuch von Fachmessen oder die direkte Anfrage bei interessanten Unternehmen können nützlich sein. Außerdem helfen ebenso die eigenen Kontakte, Netzwerke und Beziehungen, die man entweder über Berufsjahre hinweg geknüpft oder außerberuflich entwickelt hat. Fragen Sie ihre Freunde, Nachbarn, Ihren Arzt oder Bekannte. Mit ein bisschen Überwindung kann sich diese Form der Suche auszahlen!

Schwerpunkte bei der Bewerbung setzen

Jeder, aber vor allem ältere Bewerber sollten darauf achten, wo sie ihre Schwerpunkte bei der Bewerbung setzen. Da Sie im Laufe Ihrer Karriere viele Erfahrungen gesammelt und Weiterbildungen besucht haben, ist der Drang vermutlich groß alles anzuführen. Doch nicht jedes Seminar und vergangene Projekt ist für den potentiellen Arbeitgeber wichtig. Ganz egal, wie Sie ihren Lebenslauf aufbauen, die Konzentration sollte auf dem Wesentlichen liegen. Dadurch erkennt das Unternehmen, wo Ihre Talente und Stärken liegen. Ebenso zielführend sind Angaben über ihr fachliches Wissen und den Bezug zu neusten Werkstoffen und Produktionsverfahren, sowie Kenntnisse über die notwendige IT. Wenn Sie die erwähnten Aspekte betonen und auch die damit verbundenen bisherigen beruflichen Erfolge und Erfahrung, so erzielen Sie einen großen Pluspunkt bei der Bewerbung.

© StepStone, 2010

 
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