Unerwartete Chancen für Ingenieurinnen
Noch immer sind Frauen in Ingenieurberufen deutlich unterrepräsentiert. Der Frauenanteil an technischen Fachkräften liegt in den Jahren 2004 bis 2007 bei nur 14 Prozent. Immerhin gibt es unterschiedlichste Förderung für Frauen in technische Berufe einzusteigen (siehe bspw. „FIT – Frauen in die Technik“). Doch trotzdem ist der Studentinnenanteil weiterhin deutlich niedriger als der ihrer männlichen Kollegen. Gewerbliche und technische Fachhochschulen verzeichnen 2007/08 nur 7% Frauenanteil. Deutlich höher ist eine andere Zahl: 27% Frauen werden als erstmalig zugelassene ordentliche Studierende technischer Studien in Österreich aufgezeichnet.
Kein Wunder, wenn es Frauen gib, die sich als „Einzelfall“ bezeichnen. So auch Stefanie Link. Schon als Jugendliche wurde ihr ihre Begeisterung für Flugzeuge bewusst. Die heute junge Frau begann durch ihre nicht enden wollende Faszination für die tonnenschweren Konstruktionen ihr Studium der Luft- und Raumfahrttechnik.
Die unterschiedlichsten Berufsbereiche kennenlernen
Im Jahr 2008, nachdem sie ihr Studium absolvierte, bekam sie eine Arbeitsstelle bei einem Engineering-Dienstleistungsunternehmen. Dort konnte sie durch unterschiedlichste Projekte Einblicke in andere Bereiche des Berufes gewinnen. Dies bot eine gute berufliche Orientierung für junge Menschen. Außerdem wurden ihr ausreichend Weiterbildungsmöglichkeiten geboten, die durch Onlinekurse jederzeit wahrnehmbar waren. Nun arbeitet die junge Ingenieurin bei einem international agierenden Unternehmen für Luftfahrzeuge.
Familie und Beruf unter einen Hut bringen
Über eine Anstellung bei einem Engineering-Dienstleister ist auch Erdmuthe Antrack glücklich. Mit über 40 Jahren arbeitet sie als Konstrukteurin 30 Stunden in der Woche. Daneben bietet sich genügend Freiraum und Zeit für die Familie. Sie selbst weiß auch, dass sie sich glücklich schätzen kann, denn viele Mütter, die als Ingenieurinnen arbeiten, haben nicht die Möglichkeit bei ihrem Unternehmen Teilzeit beschäftigt zu sein.
Die Brasilianerin Christiane Bergemann-Machado ist neben Maschinenbauingenieurin auch Mutter eines fünfjährigen Sohnes. Auch sie ist für einen Engineering-Dienstleister tätig und Vollzeit angestellt, kann jedoch dank des Unternehmens flexibel arbeiten. Als ihr Sohn zu einem Zeitpunkt, da ein großes Projekt anstand, sehr krank wurde, kam ihr Arbeitgeber ihr entgegen. Der Projektbeginn wurde nach hinten verschoben, damit ihre volle Konzentration dem Sohn gewidmet werden konnte.
Ihr Maschinenbaustudium absolvierte die Brasilianerin in ihrer Heimat. Dort waren die Jobaussichten jedoch eher schlecht, genauso in Italien. Die Ingenieurin wurde, wenn überhaupt auf ihre Bewerbung geantwortet wurde, mehr nach dem Geschlecht als nach ihrem Können beurteilt.
Man bemüht sich um weibliche Nachwuchskräfte
Um weiterhin das Interesse mehrerer Frauen für Ingenieurberufe zu wecken, hat Österreich unterschiedliche Förderungen gestartet. So etwa „FIT – Frauen in die Technik“. Hierbei soll der Bereich Technik Schülerinnen begeistern. Es werden Frauen in technischen Berufen sichtbar gemacht, Kontakte vermittelt und auch berufliche Identifikationsmöglichkeiten geschaffen. Ebenso „mut! – Mädchen und Technik“, das mit einer geschlechtssensiblen Berufsorientierung arbeitet und ebenso das Interesse junger Frauen an dieser Berufssparte wecken möchte. Beim „Girls‘ Day“ haben Mädchen sogar die Möglichkeit einen Tag in einem technischen, technologischen oder handwerklichen Betrieb hinein zu schnuppern. Auch so lernen sie Berufe kennen, schöpfen erste Erfahrungen und Kontakte.
Sowohl Politik als auch Wirtschaft merken, dass schon in der Schulzeit das Interesse an Ingenieurberufen bei Frauen geweckt werden muss. Nun liegt es weiterhin an den Unternehme, dass Beruf und Familie besser vereinbar wird.
© StepStone, 2010
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